Corporate-Security.TV Interview

Im November 2016 fand in der Skylounge am Vodafone-Campus in Düsseldorf die Fachtagung „Anforderungen an moderne Gefahrenmanagementsysteme“ statt. Sehen Sie sich hierzu auch das Interview mit von Holger Berens mit Lars Waldow, COO bei Advancis Software & Services GmbH, zum Thema Gefahrenmanagementsysteme an – welche Vorteile bieten sie, wie sicher sind sie und was sind die zukünftigen Trends.

Holger Berens: Digitalisierung, Industrie 4.0, Internet der Dinge. Gefahrenmanagementsysteme müssen auch ebenfalls miteinander vernetzt werden. Herr Waldow, Gefahrenmanagementsysteme, was leisten die heute?

Lars Waldow: Gefahrenmanagementsysteme bieten eine herstellerübergreifende Integration der unterschiedlichsten sicherheitstechnischen Gewerke, d. h. Sicherheits- und Kommunikationstechnik sowie Gebäudeautomation einheitlich zusammenzuführen. Über eine zentrale Benutzeroberfläche können diese abgebildet werden und es ist möglich, dort den Status der Systems anzuzeigen und diese rückwirkend zu steuern.

Holger Berens: Ich kann mir das relativ schwierig vorstellen, in einem bestehenden Gebäude: Unterschiedliche Hersteller, unterschiedliche Schnittstellen und unterschiedliche Software, wie kann ein Gefahrenmanagementsystem das leisten, dass alle vernetzten Sicherheitssysteme auch wirklich einheitlich auf einer Oberfläche laufen?

Lars Waldow: Wenn Sie sich heute die Leitstellen in vielen Gebäuden anschauen, dann haben Sie dort nebeneinander zahlreiche Tastaturen und Mäuse liegen, mit denen Sie die unterschiedlichsten Systeme bedienen, dahinter stecken dann überall unterschiedlichste Schnittstellen zu den eigentlichen Anlagen, und genau das ist der Punkt. An diesen Schnittstellen müssen wir ansetzen, um die einheitlich in ein System zu überführen. Da gibt es verschiedene Herangehensweisen. Es gibt offene Standards, die wir nutzen können, die als generische Schnittstellen implementiert werden können, und die proprietären, also die herstellerspezifischen Protokolle. Und das ist eigentlich unser stärkster Ansatz: Direkt die Sprache der Anlagen zu sprechen, ohne dazwischen noch weitere Konverter zu haben, die dann auch angeschafft und konfiguriert werden müssen, eine weitere Fehlerquelle darstellen, sondern direkt die Anlagensprache bei uns implementieren und das dann in ein einheitliches Managementsystem abzubilden.

Holger Berens: Wir haben ja dann eine Zentrale, an der alles aufläuft. Wie angreifbar und wie verwundbar sind solche Systeme?

Lars Waldow: Letztlich nicht mehr oder weniger als sie vor der Einführung eines Gefahrenmanagementsystems es waren, denn die Systeme haben auch vorher schon über IT-Netzwerke kommuniziert. Aber wir gehen klassischerweise den Weg, dass wir ein abgeschlossenes Sicherheitsnetzwerk empfehlen, was all diese sicherheitstechnischen Gewerke miteinander verbindet, losgelöst von den eigentlichen Office-Netzen, um wirklich eine hohe Sicherheit sicherzustellen.

Holger Berens:
Sind diese Gefahrenmanagementsysteme eigentlich lernende Systeme, das heißt, wenn ich einen Incident habe, was vielleicht in der Prävention nicht vorhergesehen war, kann das System im Nachhinein da jetzt Lösungen finden?

Lars Waldow:
Das ist ein ganz aktueller Trend, mit dem wir uns beschäftigen: Inwieweit können die Systeme wirklich unterstützend für den Anwender wirken, indem sie wirklich dazulernen, Meldungen zusammenfassen, damit der Anwender sich auf das Wesentliche fokussieren kann. Inwieweit kann ich nachher die Informationen, die aufgelaufen sind, auch auswerten, um für die Zukunft andere Maßnahmen vorzuschlagen? Das Thema künstliche Intelligenz wird für die Zukunft noch ein viel größeres Thema werden. Im Moment stehen wir da, denke ich, ganz am Anfang.

Holger Berens:
Das gibt mir das Stichwort für die letzte Frage, wo geht die Zukunft hin bei Gefahrenmanagementsystemen?

Lars Waldow:
Ich hatte gerade schon einen dieser großen IT-Trends (Künstliche Intelligenz) angesprochen, aber vielleicht gehen wir erste einmal noch einen Schritt zurück, denn wir beschäftigen uns in der letzten Zeit immer stärker auch mit der Vernetzung der Systeme, die auf der Managementebene miteinander arbeiten, Stichwort sind hier Einsatzleitsysteme. Wir sehen, dass ein Gefahrenmanagementsystem zwar aus der physikalischen Welt die Gefahr anzeigt, aber die Verwaltung der Einsatzkräfte oder das Verwalten von Ressourcen in einem separaten System stattfinden. Auch hier ist ein Austausch wichtig. Und da bieten Gefahrenmanagementsystemanbieter Möglichkeiten, direkt mit den Einsatzleitsystemen zu kommunizieren oder Bestandteile davon im eigenen System abzubilden, so dass hier in einem Ereignisfall auch direkt dann die entsprechenden Handlungsschritte durch für die Interventionskräfte vorgegeben werden und koordiniert werden können. Zu den Zukunftstrends, die großen IT-Trends Internet of Things, Big Data, Augmented Reality sind auch spannende Felder für uns als Gefahrenmanagementsystemhersteller. Gerade Augmented Reality als Schnittstelle für den Menschen. Die Informationsflut nimmt zu, und Augmented Reality bietet mir die Möglichkeit, Informationen auf den Blickwinkel des Benutzers zu reduzieren, indem ich beispielsweise mit meinem Smartphone direkt Informationen eingeblendet bekomme. Da habe ich eine Möglichkeit, am Mensch-Machine-Interface die Informationen zu filtern und auch für den Anwender in geeigneter Weise anzubieten.

Holger Berens:
Herzlichen Dank, Herr Waldow, und wir sehen uns zum nächsten Sicherheitsinterview der Woche.